LK 12 Geschichte
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Ergebnisse eines europäischen Geschichtsprojektes

Darstellung europäischer Nachbarn auf Postkarten

 

 

Gemeinsamer Text

Das Thema unserer Gruppenarbeit war die Darstellung europäischer Nachbarn auf Postkarten am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die meisten unserer Postkarten beziehen sich thematisch auf den Ersten Weltkrieg. Der Erste Weltkrieg dauerte von 28.07.1914 bis 03.11.1918. Dabei standen die Mittelmächte (Deutschland und Österreich-Ungarn) den Alliierten gegenüber. Unter den Alliierten war zunächst die Entente (Großbritannien, Frankreich und Russland), später kamen Italien, Rumänien, Japan, die USA hinzu.

 

Die Anstifter des Weltkrieges vor dem Weltgericht

 

 

 

 

Die Postkarte mit dem Titel „Die Anstifter des Weltkrieges vor dem Weltgericht“ entstand am Ende des ersten Weltkrieges (1917?). Die Postkarte wirkt wie ein Gemälde, auf dem Deutschland, zusammen mit Österreich-Ungarn den Alliierten gegenübersteht.

Rechts unten ist das hungernde und verletzte deutsche Volk dargestellt, darüber sind Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Josef I. auf Pferden zu erkennen. Diese Gruppe wird von der sehr groß dargestellten Germania beschützt, die anklagend nach rechts zeigt, wo sich die Alliierten befinden.

Links unten ist König Emmanuel als Repräsentant Italiens abgebildet. Er hält den zerrissenen Dreibundvertrag in den Händen, was vermutlich andeuten soll, dass Italien Verrat an Deutschland und Österreich-Ungarn begangen hatte, als König Emmanuel entgegen des Vertrags mit den Alliierten in den Krieg eingetreten war.

Hinter König Emmanuel ist die Marianne mit Jakobinermütze als Personifikation Frankreichs dargestellt. Diese hebt sich von den anderen Länderdarstellungen ab, da sie auf die Vergangenheit Frankreichs; die Revolution anspielt und betont, dass Frankreich sich von den anderen Staaten darin unterscheidet, dass es keine Monarchie mehr als Staatsform hat.

Neben Italien und Frankreich sind auch Russland, Belgien und Serbien in Form ihrer Herrscher dargestellt.

Vor ihnen erkennt man eine brennende Stadt und die Bombe von Sarajewo als Auslöser des Krieges. Über den Alliierten sind Wolken abgebildet, die für Hass, Rachsucht, Verleumdung und Lüge stehen. Der Maler dieser Postkarte versucht diese Eigenschaften demnach den Alliierten zuzuordnen, während über Deutschland und Österreich-Ungarn Engel als Symbole der Unschuld dargestellt sind.

In der Mitte der Postkarte befindet sich der Erzengel Michael, welchen die Deutschen als Schutzpatron ansahen und der als Seelenwäger des jüngsten Gerichts galt. Er richtet sein Schwert auf die Alliierten und scheint so ebenfalls Deutschland und Österreich-Ungarn zu beschützen.

Aussage dieser Postkarte ist, dass die Alliierten für den ersten Weltkrieg verantwortlich gewesen seien und damit auch für die Leiden des deutschen Volkes, während Kaiser Wilhelm II. für das Volk gekämpft hätte.

 

   

John Bull, Freund und Beschützer der Kleinen

Die Postkarte mit der Bildunterschrift „John Bull der Freund und Beschützer der Kleinen“  bezieht sich besonders auf Großbritannien.

Als Personifikation Großbritanniens ist in der Mitte der Postkarte groß John Bull abgebildet, der auf Allegorien für Staaten seiner Kolonien sitzt. In Großbritannien wurde die Figur genutzt um für die Kriegsteilnahme zu werben. Im Gegensatz zu den Darstellungen aus Großbritannien wirkt John Bull auf dieser Postkarte aber sehr dick und unästhetisch und trägt, statt des sonst für ihn typischen schwarzen Zylinders einen Zylinder mit der Flagge Großbritanniens. Als weiteres Zeichen für Großbritannien ist neben ihm ein kleines Schiff in den Farben rot und weiß dargestellt.

Die Bildunterschrift ist ironisch gemeint, da sie demonstrieren soll, dass Großbritannien auf seinen Kolonien „sitzt“, sie also unterdrückt. Dieser Eindruck wird durch die gequälten Gesichtsausdrücke der unter John Bull liegenden Personen, den Personifikationen von zum Beispiel Indien, Belgien oder Ägypten, verstärkt.

Rechts neben John Bull sind der russische Bär und der gallische Hahn abgebildet. Der russische Bär ist eine Personifikation Russlands und der gallische Hahn steht für Frankreich. Diese Tiere stehen eigentlich für Kampf und Stärke und wurden daher auch in Russland und Frankreich als Allegorien genutzt. Hier sind sie aber ebenso wie John Bull verfälscht dargestellt. Sie scheinen verletzt und geschwächt zu sein und tragen beide eine Augenbinde.

Zusätzlich hält John Bull die Flaggen der Staaten in den Händen, die sich (zu dem Zeitpunkt) noch neutral im Krieg verhielten; USA, Niederlande, Schweden, Dänemark.

Aussage dieser Postkarte ist, dass Großbritannien sich selbst als „Freund und Beschützer“ darstellte, aber seine Kontrolle tatsächlich nur ausnutze um selbst zu profitieren, was deutlich wird, indem er viel größer und breiter abgebildet wird als alle anderen Figuren auf der Postkarte.

 

 

Wir Deutschen fürchten Gott sonst nichts auf dieser Welt

           

In der Mitte dieser Postkarte ist Bismarcks Kopf groß dargestellt. Von ihm weg laufen die Allegorien der Alliierten. Auf dem russischen Bär sitzt der Zar, welcher erschrocken zurück schaut. Frankreich wird durch den Premierminister auf dem gallischen Hahn verkörpert, der zudem die Jakobinermütze trägt. Hinter Frankreich ist John Bull dargestellt. Dieser hat aber im Gegensatz zu der ursprünglichen Darstellung den Kopf eines Pitbulls. Die Allegorien, die auf dieser Postkarte verwendet werden stehen eigentlich für Stärke und Kampf, diese Bedeutung wird aber umgekehrt, da sie sich alle vor Bismarck zu fürchten scheinen und so erschrocken erscheinen.

 

La France

 

Die erste meiner beiden Postkarten, die ich zu bearbeiten hatte, zeigt auf der linken Seite die Marianne, die in einem engen violett-farbenen Kleid und einer roten Jakobinermütze dargestellt ist. Ihr Gesichtsausdruck scheint erschrockenen und ängstlich. Auf der rechten Seite steht ein deutscher Soldat, der neben einer Uniform auch eine Pickelhaube trägt. Neben ihm steht eine Kanone, die ‚dicke Bertha‘, die auf die vor ihr stehende Marianne schießt. Unter der Postkarte steht folgender Text:‘ Madame gestatten: Meine Tante aus Essen, Halsweite 42 cm.‘. Mit dem Ausdruck ‚die Tante aus Essen‘ ist die Kanone gemeint. Die Jakobinermütze  der Marianne ist eine Anspielung auf die Zeit der französische Revolution (1789-1799) ; dagegen die Pickelhaube des deutschen Soldaten ist eine Anspielung darauf, dass er in den Diensten des Kaiser steht. Außerdem ist dir Pickelhaube ein Symbol, welches für das Militär steht. Die Intention  dieser Postkarte ist gegen Frankreich gerichtet. Die Marianne wirkt durch ihren  Gesichtsausdruck sehr lächerlich.

 

 

Zur schönen Aussicht

 

Die zweite Postkarte mit der Überschrift ‚ Zur schönen Aussicht‘ zeigt auf der linken Seite den deutschen Michel, der entspannt auf einem Stuhl sitzt. Er hat seine beiden Beine ausgestreckt und raucht Pfeife. Er trägt eine weiße Zipfelmütze und eine Kniehose, was ein Inbegriff der Gutmütigkeit ist. Er befindet sich in einem Haus; durch das Fenster erkennt man zwei deutsche Nationaldenkmäler: das Niederwalddenkmal (bez. des deutsch-französischen Krieges, 1870-1871) und das Völkerschlachtdenkmal(bez. der Befreiungskriege gegen Napoleon, 1813). Die Überschrift ‚zur schönen Aussicht‘ ist also auf die Aussicht auf die beiden Nationaldenkmäler zu beziehen. In dem Haus befinden sich außer dem dt. Michel noch französische Soldaten die erschrocken (vgl. Postkate: La France; Ausdruck Marianne)  aussehen. Wahrscheinlich sind sie erschrocken, da der Michel schwer bewaffnet ist (Waffen und Sprengstoff). Die Waffen sind jedoch zur Seite gestellt. Der Michel sagt zu einem Soldaten:‘ Nun, Francois? Wie wär’s mit einem dritten Bau im Deutschen Panorama?‘. Die Intention der Postkarte ist gegen Frankreich gerichtet. Die französischen Soldaten wirken schwach und lächerlich. Im historischen Kontext eingeordnet soll die entspannte Haltung des Michels eventuell ausdrücken, dass Deutschland dachte es könne sich entspannen, da seine Situation im ersten Weltkrieg (1914-1918) zufriedenstellend sei.

 

Im Krieg benahmt Ihr Euch wie Vieh – Darum lernet jetzt: „Neu-Geographie“

 


Bei dieser Postkarte handelt es sich um eine unfrankierte, unbeschriebene Bildpostkarte. Der weitere Text lautet:

„Zum Deutschen Reich kommt nun dazu
Ost-Frankreich, Belgien, in aller Ruh!
Und Westrussland das teil'n wir gleich
Zu Deutschland und zu Österreich.
Mit Kolonien von England viel, Beendet wird alsdann das Spiel!“

 

Genaue Entstehungszeit ist unbekannt, es lässt sich allerdings vermuten dass diese Bildpostkarte am Anfang des 1. Weltkrieges, vermutlich 1914, als Teil der Kriegspropaganda entstanden ist. Aufgrund der raschen Erfolge der deutschen Armee im Westfeldzug am Anfang des 1. Weltkrieges hatte Deutschland fantastische Annexionsprojekte die verschiedene benachbarte Gebiete betrafen.

Rechts auf der Postkarte ist der deutsche Michel, die nationale Personifikation der Deutschen, zu sehen. Er, deutlich größer dargestellt, bringt den Staatsoberhäuptern Europas und Asiens die neue Gebietsverteilung bei.

Vorne werden die Staatsoberhäupter von Frankreich (Präsident Raymond Poincare) und Russland (Zar Nikolaus II.) dargestellt.

Hier werden zwei Ziele Deutschlands deutlich: Annektion des Erzbeckens von Briey einerseits sowie die wirtschaftliche Abhängigkeit Frankreichs von Deutschland andererseits.

In der mittleren Reihe sind vermutlich die Staatsoberhäupter von Italien (König Emmanuel III.), und England (König Georg V) dargestellt. Bezüglich Englands verfolgte Deutschland das Ziel der Vergrößerung des Kolonialbesitzes in Afrika.

In der letzten Reihe sind die Herrscher von Japan (Kaiser Yoshihito), der Türkei ( Sultan Mehmed V.) und Belgien (König Alber I.) abgebildet. Ein Ziel Deutschlands war, durch Annexion von Lüttich und Antwerpen sowie der flandrischen Küste militärisch-politische und wirtschaftliche Kontrolle Belgiens herzustellen.

In dieser Postkarte wird die entspannte Haltung Deutschlands am Anfang des 1. Weltkrieges deutlich („In aller Ruh“). Nur Österreich wird als ein Verbündeter angesehen: „teil'n wir gleich / Zu Deutschland und zu Österreich“.

 

 

 

Russische Kultur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Bildpostkarte ist aus der Feldpost von einem deutschen Soldaten vom 04.04.1916. Gedruckt wurde sie 1915 in Warschau.

Hier werden die Verhältnisse in einem russischen Dorf aus deutscher Sicht beschrieben.

Auf der Postkarte ist eine bäuerliche Familie aus Russland in ihrem Haus dargestellt. Die hygienischen Verhältnisse sind sehr schlecht, Läuse plagen die Einwohner; verschiedene Tiere wie Schweine, Gänse und Hühner befinden sich im Küchenbereich des Hauses.

Im Vordergrund sitzt ein deutscher Soldat, der sich auch „laust“. Deutsche Soldaten wurden in russische Bauern- Familien einquartiert. Kaiser Wilhelm II. hatte zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Ziel das bis dahin von Russland kontrollierte Gebiet Kongresspolen mit dem Königreich Preußen verbundenen restlichen Polen zu einem vereinten polnischen Staat zu verbinden, der allerdings militärisch von Deutschland kontrolliert werden sollte.

 

 

Zusammenfassung

 

Frankreich

Frankreich wurde oft durch die Darstellung der Marianne verkörpert. Auf einigen Postkarten trägt sie eine Jakobinermütze. Diese Darstellung unterscheidet sich von der Darstellung anderer Staaten, die meisten durch ihre Staatsoberhäupter dargestellt sind und spielt auf die Französische Revolution und die daraus resultierende Republik an.

Manchmal werden auch französische Soldaten oder Frankreichs Präsident Poincare zur Charakterisierung Frankreichs dargestellt. Oft wird der gallische Hahn als Symbol für Kampf und Mut dargestellt.

 

Großbritannien

Großbritannien wird auf den meisten Postkarten als John Bull dargestellt. John Bull war ursprünglich ein Mann mit Zylinder, Union-Jack-Weste und Frack. In Deutschland wurde er oft mit dem Kopf einer Bulldogge abgebildet. Da es in Großbritannien keine Wehrpflicht gab, wurden Plakate mit John Bull genutzt, um die Bevölkerung zum Kämpfen zu animieren. 

 

Russland

Für die Darstellung Russlands wurde der russische Bär oder Zar Nikolaus II. genutzt

Der russische Bär steht ursprünglich für Stärke und wurde von den Deutschen in Karikaturen oft geschwächt dargestellt.

 

Quellen:

 

  1. http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/index.php
  2. http://www.abipur.de/hausaufgaben/neu/detail/stat/659005969.html
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staatsoberh%C3%A4upter_1916

 

von: Isabella R., Zoya B., Sofia W.